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🧠 Kratzen, Schmerzen, Stress – Wenn das Nervensystem aus dem Gleichgewicht gerät
Wenn das Nervensystem aus dem Gleichgewicht gerät ...
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Kratzen, Schmerzen, Stress – Wenn das Nervensystem aus dem Gleichgewicht gerät
Seit zwei Tagen beobachten wir, wie Tobias sich immer wieder stark am Kopf kratzt. Was für Außenstehende vielleicht wie eine kleine, beiläufige Geste aussieht, ist für uns alles andere als harmlos. Tobias signalisiert uns damit: Etwas stimmt nicht. Ich spüre Unruhe. Ich spüre Schmerz.
Aber wo genau und warum – das bleibt oft unklar. Und genau das macht es so belastend.
Sein zentrales Nervensystem scheint in einem Dauer-Alarmzustand zu sein – ein Zustand, den man als „Fight or Flight“ kennt. Tobias ist unruhig, reagiert sensibel auf Reize, kann sich nur schwer entspannen. Und gleichzeitig soll er weiterhin funktionieren – soll zu seinen Therapien, soll mitmachen, soll Leistung bringen.
Ich begleite ihn dabei. Ich sehe seine Unruhe, sein inneres Ringen, spüre seine Anspannung – und merke, wie mich das als Mutter emotional erschöpft.
Während Tyler ruhig bleibt, die Situation einschätzt, liebevoll begleitet – bin ich innerlich in Alarmbereitschaft. Ich denke an das, was kommen könnte. Was passiert, wenn er so zur Therapie muss? Wenn der Zustand sich verschlechtert?

„Aber er sieht doch normal aus…“
Das Schwierige: Nach außen hin sieht Tobias oft „okay“ aus.
Er spricht, er isst, er sitzt mit uns am Tisch.
Doch sein Nervensystem spricht eine andere Sprache.
Dieses Kratzen ist nicht einfach ein „Jucken“. Es ist ein Ausdruck innerer Reizüberflutung, von nicht greifbarem Schmerz, vielleicht auch ein Versuch, sich irgendwie zu regulieren – durch Bewegung, durch Druck, durch etwas Spürbares. Für Tobias ist das real. Und für uns, als Menschen an seiner Seite, auch.

🧘♀️ Regulation beginnt im Kleinen
Ich habe in den letzten Tagen begonnen, kleine vegetative Übungen mit ihm zu machen – achtsame Berührungen, Atemhilfen, beruhigende Reize. Manchmal helfen sie, manchmal nicht sofort. Es braucht Geduld, viel Feingefühl – und die Fähigkeit, den Moment zu akzeptieren, wie er ist.
Nicht zu wissen, wie lange es anhält, nicht genau greifen zu können, was los ist – das ist eine Herausforderung.
Und gleichzeitig ist es das, was neurologische Verletzungen mit sich bringen: Unvorhersehbarkeit. Nichtwissen. Loslassen.
🌿 Zwischen Überforderung und Vertrauen
Ich frage mich oft: Warum reagiere ich so stark? Warum geht es Tyler leichter von der Hand?
Vielleicht, weil ich mehr in der Verantwortung stehe, ihn zu organisieren, Termine zu koordinieren, „funktionierende Tage“ zu ermöglichen. Vielleicht, weil ich mich innerlich verantwortlich fühle, ihn durch diese Zeit zu bringen. Und manchmal auch, weil ich einfach müde bin.
Aber dann sehe ich Tobias, wie er – trotz Unwohlsein – zur Therapie geht, sein Fleisch isst, sich in den Moment zurückholt, seine Serie schaut. Er lebt im Jetzt, auch wenn sein Körper manchmal aus dem Takt ist.
🙂 Was mir hilft ( oder nicht immer 🙁 )
In solchen Momenten hilft mir nicht die perfekte Lösung – sondern ein Gedanke, ein Gebet, ein Satz, der mich erdet. In den letzten Tagen begleitet mich dieser Vers:
„Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“
– 2. Timotheus 1,7
Ich atme tief. Ich bin da. Ich begleite. Ich muss nicht die volle Verantwortung tragen. Das Universum steht mit seiner unsichtbaren Hilfe an unserer Seite.
Und Tobias – ist da, wie er ist. Mit all seinen Herausforderungen und Bedürfnissen FÜR Andere – und dann sich selbst.
Nichts ist unbedingt planbar. Nichts ist immer klar und verständlich. Aber echt. Und mutig. Und Tobias ist mein Sohn.
📖 Mehr über unseren Alltag, unsere Erfahrungen mit Frontalllappenschädigung, vegetativer Regulation und Leben mit Hirnverletzung findest du auf:
🔗 www.neuroverbunden.com
Wenn das Hirn ueberwaeltigt ist….
🍽️ Ein Essen, das uns alles zeigte – Alltag mit Tobias

🍽️ Ein Essen, das uns alles zeigte – Alltag mit Tobias
Heute waren wir essen mit Tobias. Zuvor hatten wir lange gemeinsam im Bett entspannt.
Tyler half Tobias bei seiner Morgenroutine, während ich das Frühstück vorbereitete. Danach haben wir alle noch ein wenig gearbeitet und geruht. Tobias bewegte sich auf dem Heimtrainer, während ich aufräumte.
Am späten Nachmittag wollten wir eigentlich ein Schloss in der Nähe besichtigen – aber der Tag verging schneller als gedacht. Also entschieden wir uns für einen Spaziergang und ein gemeinsames Abendessen.
Ein barrierefreies Restaurant zu finden, ist gar nicht so einfach. Aber wir hatten Glück. Alles war liebevoll eingedeckt, die Musik leise, gemütlich, entspannend – genau mein Geschmack: Soft Jazz mit einem Hauch von Winterstimmung. Es war fast magisch.
Wir bestellten unsere Getränke und unterhielten uns.
Doch von der Bestellung bis zum Servieren vergingen fast 40 Minuten – eine lange Zeit.
Ich bemerkte schnell, dass sich Tobias‘ Stimmung veränderte.
Bei mir gingen alle Warnlichter an – Herzschlag hoch, Unruhe, Gedankenkarussell.
Tobias zeigte auf seine Hüfte, konnte den Schmerz aber nicht genau beschreiben.
Sein zentrales Nervensystem war im Fight-or-Flight-Modus – Alarm. Ich gab ihm ein Notfallmedikament und hoffte, dass es schnell wirkt. Aber es dauerte.
Ich aß meinen fast 40 € teuren Fisch – etwas, das wir uns nur etwa alle fünf Jahre gönnen – hastig, voller Anspannung. (Mein Verdauungssystem ist heute noch beleidigt.) Tyler aß seine leckere Kartoffelsuppe – die war ein bisschen günstiger – und half Tobias dann mit seinem Gericht.
Trotz Schmerzen wollte Tobias unbedingt weiter essen.
Fleisch ist ihm – wie viele wissen – sehr wichtig. Und er schaffte es tatsächlich, seinen Teller leer zu essen. Tyler zahlte, und wir gingen zügig.
Kaum hatten wir das gemütliche Restaurant verlassen, ging es Tobias schlagartig besser.
Jetzt liegt er im Bett. Geduscht, mit geputzten Zähnen, entspannt.
Er schaut seine Lieblingsserie: Brooklyn 99.
Frieden.
💭 Beobachtungen & Gedanken
So schnell kann sich alles ändern.
Ein schöner Moment kippt, eine Alltagssituation wird plötzlich herausfordernd.
Ich denke an das Wort Akzeptanz. Und an das Momentum.
Wäre es nicht einfacher, einfach jetzt zu leben – ohne Angst, dass es morgen anders sein könnte?
Ich beobachtete Tyler in der Situation.
Während ich nervös wurde, aß er ruhig seine Suppe. Ich dachte nur: Wie kann er so entspannt sein? Hat er keine Angst, dass Tobias einen Anfall bekommt?
Aber nein – er war einfach da. Ruhig. Hoffte, dass Tobias nicht zu sehr leidet – und blieb im Moment.
Ich hingegen war schon drei Schritte weiter. In meinem Kopf liefen alle möglichen Szenarien ab. Ich war nicht mehr im Restaurant – ich war in der Zukunft, in einer Realität, die gar nicht eingetreten war.
Ich handelte aus Angst.
Tyler blieb in der Gegenwart.
Tobias – obwohl es ihm offensichtlich schlecht ging – blieb ebenfalls im Jetzt.
Er wollte einfach nur sein Fleisch essen. Trotz Schmerzen. Trotz allem.
Nur ich war in einer Zukunft, die nur aus meiner Sorge gebaut war.
🕊️ Am Ende bleibt Vertrauen
Vielleicht ist das unsere Aufgabe:
Immer wieder zurück ins Jetzt finden.
Hinschauen. Atmen. Aushalten.
Vertrauen.
Denn, wie es in der Bibel heißt:
„Darum sorgt euch nicht um morgen, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.“
– Matthäus 6,34
Wie sieht Tobias‘ Alltag aus?
Dysathrie - Frontallappen - Tobias' Alltag
🧠 Unser Alltag mit Tobias – Beobachtungen von uns als Eltern
Eine Schädigung des Frontallappens ist fast unsichtbar, bis auf die heftige Narbe an der Schädeldecke und dem eingefallen Teil rechts. Andere Betroffene tragen jedoch nicht diese Warnzeichen für das Aussen – Der Frontallappen beeinflusst Tobias und seine Peers nahezu jeden Moment im Alltag. Seit Tobias’ Hirnblutung begleiten wir ihn auf diesem Weg. Die 5 Stunden die er zulange auf ein Intensivbett warten musste in dem mit Covid-Patienten belegten Krankenhaus waren zu lange. Als Eltern sehen wir vieles, was von außen nicht erkennbar ist. Was oft wie Trägheit wirkt, ist in Wahrheit ein innerer Kampf, den Tobias täglich führt – mit sich selbst, mit seinem Körper, mit den Grenzen, die ihm das Gehirn setzt.
💡 Was wir über den Frontallappen gelernt haben
Im Laufe der letzten Jahre haben wir viel über die Funktion des Frontallappens erfahren. Er ist so etwas wie das „Steuerpult“ im Gehirn. Hier werden Dinge wie Planung, Handlungsstart, Motivation, Impulskontrolle, soziales Verhalten und Zielverfolgung gesteuert.
Wenn dieser Bereich verletzt ist – wie bei Tobias nach seiner erworbenen Hirnschädigung – wirkt sich das auf viele Ebenen aus. Nicht nur auf Sprache oder Gedächtnis, sondern vor allem auf die Fähigkeit, Dinge in Gang zu bringen und dranzubleiben.
🌀 Wie wir und andere Tobias erleben
Wir erleben Tobias als einen jungen Mann mit viel Potenzial und innerer Stärke – aber auch mit Herausforderungen, die sich schwer in Worte fassen lassen.
Was uns besonders auffällt:
Tobias weiß oft, was er tun möchte – aber der Weg ins Handeln bleibt blockiert.
Ohne einen äußeren Reiz oder eine Begleitung kommt er nur schwer in Bewegung.
Er braucht Impulse von außen, kleine Anschubser, um eine Handlung zu beginnen.
Seine Reaktionen sind manchmal unpassend (zum Beispiel sagt er am Ende des Satzes oft „Digga“ oder „Alter“ oder zurückhaltend – nicht, weil er nicht fühlt, sondern weil die emotionale Regulation schwerfällt.
Informationen gehen schnell verloren, der Abruf aus dem Gedächtnis ist instabil – aber wenn wir Fragen anders stellen, erinnert er sich oft doch.
Es gibt Tage, da scheint alles möglich. Und Tage, da ist schon der Gang zum Lift, oder das Aufrechthalten seines Kopfes ein Problem.
All das hat nichts mit „nicht wollen“ zu tun – sondern mit einer gestörten Steuerung im Gehirn. Das zu verstehen, war für uns ein wichtiger Schritt.
🧭 Was Tobias hilft – und wie wir ihn unterstützen
Wir merken: Es geht nicht darum, ihn zu „motivieren“, sondern darum, Strukturen zu schaffen, in denen Motivation entstehen kann. Und diese Strukturen brauchen Wiederholung, Klarheit – und Raum für Rückschritte.
Was Tobias hilft:
Feste Tagesabläufe, die immer ähnlich sind
Klare Anweisungen in kleinen Schritten
Visuelle Hilfen, Checklisten, Timer
Lob und Anerkennung für Fortschritte
Rituale und Wiederholungen, die Sicherheit geben
Regelmäßige Bewegung, Musik, Natur
- Freundschaft, Helfen seine Ziele zu erreichen – Schritt für Schritt
Was uns hilft:
Erwartungen immer wieder neu zu justieren – besonders ich als Mutter
Nicht an der Vergangenheit festzuhalten, sondern die Gegenwart zu gestalten – neue Erinnerungen schaffen
Tobias nicht mit seiner Einschränkung zu verwechseln
Unsere eigenen Bedürfnisse nicht zu übergehen
Uns gegenseitig zu stützen
🌱 Unser gemeinsamer Weg
Es sind oft die kleinen Momente, die zählen:
Ein Gespräch, das ohne Wiederholung gelingt.
Ein selbst angezogener Pullover.
Ein Lächeln nach einem gelungenen Schritt.
Wir lernen, diese Dinge zu sehen – und sie wertzuschätzen.
Tobias ist nicht seine Diagnose.
Er ist unser Sohn – ein junger Mann mit Träumen und Zielen
Und jeden Tag dürfen wir miterleben, wie er seinen Weg sucht – mit Mut, mit Rückschritten, mit kleinen Siegen. Und wir gehen mit.
Als Eltern. Als Team.
Alles Liebe,
Eure Dunn’s (Katja, Tyler und Tobias)
🧠 Mehr über unseren Alltag, unsere Gedanken zur Frontallappenschädigung und hilfreiche Impulse für Angehörige findet ihr auf unserem Blog:
🔗 www.neuroverbunden.com
Die Welt dreht sich auch in 2026
Die Welt dreht sich weiter in 2026 und so auch unser Tobias
Es war etwas ruhig auf dieser Seite, die an sich eine aktive Seite sein sollte – zum Wohle unserer Peers, der Betroffenen und derjenigen, die mehr über das Schicksal anderer und deren Kampfgeist lernen möchten.

Man kann sich das so vorstellen: Die HWS schmerzt, der Rücken erschwert einem das Leben. Dann legt die Physio mit ihrer Arbeit los, wir lernen, die Bauchmuskulatur zu stärken – und plötzlich wird es besser und besser. Nun wundern wir uns, weshalb der Tennisarm wieder stärker zum Vorschein kommt. Ich nehme den Schmerz wieder wahr. Was ist hier passiert? Eine Wahrnehmungserscheinung.
Der Schmerz in der HWS war einfach stärker als der im Arm. Das Gehirn brauchte dort mehr Aufmerksamkeit. Jetzt, wo wir auf den Körper hörten und reagierten, lässt er dich wissen, dass du das Problem mit der HWS im Griff hast – allerdings den Tennisarm nicht ignorieren solltest. Der Schmerz ist ein Signal, das unseren Körper schützt.
Bei Tobias – oder neurologisch betroffenen Patienten – ist das wohl ähnlich. Nehme ich die Spannung mehr und mehr aus meinem Körper, wird das Gehirn entspannter und zeigt mir die nächste Baustelle im Körper.
Das Kurzzeitgedächtnis ist noch immer eine große Hürde. Die Automatisierung, die Tobias entwickelt hat – also die Wiederholung von Phrasen (die schießen halt leichter aus dem Mund oder in eine SMS) – ist noch stark vertreten. Frage ich Tobias: „Was haben wir heute Morgen gemacht?“, antwortet er gleich mit: „Weiß ich nicht.“ Das ist oftmals richtig, doch frage ich nochmal, etwas verändert nach – dann erinnert sich Tobias doch wieder an Einzelheiten.
Du siehst also: Es ist einfacher zu sagen „Keine Ahnung“, als es zu erklären. Natürlich hängt dieses Problem mit dem Schaden im Frontallappen zusammen. Das Gehirn kann allerdings mit Strategien arbeiten – und wir müssen Tobias helfen, diese zu erkennen, zu verstehen und anzuwenden.
Ich finde diese Phase sehr anstrengend. Sie bringt mich oftmals an meine Grenzen. Kann ich aufgeben? Nein, ich möchte diese Option nicht wählen. Als Mutter entwickelt man wirklich eine Art Superpower. Ich bitte das Universum um tägliche Leitung und Kraft.
Meine Gebete haben sich sehr ve
rändert. Es ist keine Einkaufsliste mehr, sondern nur noch ein „Danke“ und die Bitte um Inspiration und Kraft. Das Öffnen von Türen, das Finden von Menschen, die in Tobias‘ Leben treten möchten und Freundschaft schenken. Inspiration und Kraft für alle Therapeutinnen und Freundinnen, die Tobias seit Jahren unterstützen.
Solch ein Lebensumstand schenkt einem Demut, Empathie für andere – aber auch ein scharfes Gefüh
l für die eigene Umgebung. Eine Sensibilisierung dafür, in wen und worin man seine Energie investieren darf.
Ich war nie ein Mensch, der Exklusivität im Leben anwendete. Nun habe ich gelernt, dass Inklusivität zwar nobel und gesund ist – aber dass Exklusivität von Menschen, Energien und Aktivitäten nicht bedeutet, ein schlechter Mensch zu sein. Es bedeutet Achtsamkeit – damit die eigenen Energien nicht verbraucht, sondern so genutzt werden können, dass das eigene Umfeld energiebringend ist.
Seit der ersten Januarwoche befinden Tobias und ich uns in einem kleinen Städtchen in Nordrhein-Westfalen. Hier wird Tobias intensive logopä
dische Therapien erhalten. Da
s Ganze geht etwa fünf Wochen – sechs bis sieben Therapien täglich, das ist wirklich supergut.
Wir versprechen uns, dass sein Gehirn durch die neuen Impulse wieder neue Tricks lernt, die ihn zur Selbstständigkeit führen. Im Schnee sieht alles sehr lieblich aus. Es lädt zur Erholung ein, obwohl es keine Erholung ist. Ich bin in der Lage, meine Blogs zu schreiben, zu berichten – während Tobias in seiner Therapie ist. Dann fahre ich ihn mit dem Rollstuhl zur nächsten Therapie – und das Schreiben geht weiter.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen Tag, ein nettes Wochenende sowie Heilung in allen Bereichen des Lebens.
Eure Dunn’s (Katja, Tyler und Tobias)
Wir sind für genau diese Zeiten gemacht
Wir sind für genau diese Zeiten gemacht
Es gibt Zeiten im Leben, in denen der Boden unter unseren Füßen zu schwanken scheint. Wir verlieren Menschen, Fähigkeiten, Sicherheit – und mit ihnen oft das Gefühl der Kontrolle. Doch vielleicht, so wie Kaira Jewel Lingo (Sister Châu Nghiêm) es lehrt, sind gerade diese Momente keine Unterbrechung unseres Weges, sondern die Essenz davon.
Wir sind nicht hier, trotz der Stürme,
sondern wegen ihnen.
Wenn wir im Hier und Jetzt verweilen – mit allem, was ist, ohne zu fliehen – beginnen wir zu spüren, dass das Leben uns nie verlassen hat. Es pulsiert in jeder Erfahrung, auch im Schmerz. „Mit ihren Schwingungen im Jetzt leben“ bedeutet, die Wellen nicht zu bekämpfen, sondern zu lernen, auf ihnen zu gleiten.
Der Buddha sagte:
„Friede kommt von innen. Suche ihn nicht im Außen.“
Und im Buch Mormon lesen wir eine tiefe Wahrheit, die uns an die göttliche Absicht in allem erinnert (Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage):
„Denn es muss ein Gegensatz in allen Dingen sein.“ – 2 Nephi 2:11
Dieser Gegensatz – Freude und Leid, Licht und Dunkel, Stille und Sturm – ist das, was uns lebendig macht. Wenn wir den Widerstand loslassen, finden wir Frieden mitten im Chaos.
Auch Christus sprach:
„In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ – Johannes 16:33
Wir sind für genau diese Zeiten gemacht. Nicht, weil sie leicht sind, sondern weil sie uns lehren, tiefer zu lieben, stiller zu glauben und bewusster zu leben.
🌗 Das Licht und der Gegensatz
In dieser Welt gibt es Gegensätze – Gut und Böse, Licht und Finsternis.
Doch das Licht ist immer stärker. Die Dunkelheit kann das Licht nicht ertragen; sie kämpft dagegen, weil sie sich im Licht auflöst.
Wenn wir uns mit Licht füllen – mit Güte, Geduld, Vergebung und Liebe – hat die Dunkelheit keinen Raum in uns.
Was ist Licht?
Es ist alles Gute, das wir im Stillen tun: ein freundliches Wort, ein aufmerksames Zuhören, das Bemühen um Verständnis. Es ist das tägliche Sich-Erheben, auch wenn niemand es sieht.
Als Christ lese ich die Bibel und das Buch Mormon. Vielleicht liest du andere heilige Schriften – doch wenn sie dich lehren, den Menschen zu achten, gleich welcher Herkunft, welchen Glaubens oder welcher Ethik, wenn sie dich erinnern, deine Segnungen als Geschenke zu betrachten und deinen Nächsten zu lieben wie dich selbst – dann lebst du im Licht.
Das Licht wächst nur, wenn wir es üben.
Hass, Frustration, Ablehnung und Gewalt ersticken es – und die Finsternis freut sich daran.
Doch der Mensch ist im Ursprung gut.
Und jedes Mal, wenn du Liebe wählst statt Groll, Mitgefühl statt Urteil, wird das Licht stärker – in dir und in der Welt.
Vielleicht ist genau das die wahre Berufung unserer Zeit:
Licht zu sein, dort, wo Dunkel herrscht.
Keinen Bog heute tapfer zu sein!@
Wenn der Glaube leise wird
🌿 Wenn der Glaube leise wird
Heute ist so ein Tag, an dem ich am liebsten den Kopf in den Sand stecken möchte.
Warum? Ganz klar: Ich habe heute keine Kraft, tapfer mit erhobenem Kopf durch die Gegend zu laufen. Wie die meisten von uns trage auch ich eine unsichtbare Rüstung, die mich vor Verletzung, Hoffnungslosigkeit und Verlustängsten schützt.
Heute ist so ein Tag, an dem ich meinen Sohn anschaue und am liebsten hinausschreien möchte:
WARUM?
Warum ist DIR so etwas passiert? Warum UNS?
Warum laufen draußen Menschen herum – Verbrecher, Unehrliche, Egozentriker, Narzissten –, die andere verletzen, während Tobias kämpfen muss?
Heute scheint alles grau und schwer. Tobias wirkt, als hätte er keinerlei Fortschritte gemacht. Sein Kopf hängt, er klagt über Schmerzen, er vergisst, dass er beeinträchtigt ist. Seine Wahrnehmung steht Kopf. Die Therapeuten fragen sich warum, und wir als Eltern lassen an solchen Tagen die Schultern hängen und gehen mit gesenktem Blick durch das Haus.
🌧️ Wenn die Hoffnung leise wird
Am Abend frage ich mich: Wozu haben mir Selbstmitleid, Hoffnungslosigkeit, Frustration und Hilflosigkeit heute geholfen?
All diese Gefühle wirbeln in mir. Heute, am Ende dieses Tages bin ich ausgelaugt. Ich räume die Küche und das Wohnzimmer auf, erledige Büroarbeit, nachdem ich Tobias ins Bett brachte. Am liebsten würde ich einfach nur an seinem Bett sitzen, seine Hand halten und weinen.
Wenn ich weine, sagt Tobias fast immer:
„Warum weinst du? Ich bin ok. Ich bin glücklich. Mach dir keine Sorgen.“
Ein Lichtblick. Ein Satz im richtigen Moment – als ich selbst kurz davor war, die Hoffnung zu verlieren.
Statt zu weinen, haben wir gemeinsam gebetet. Tobias wollte das. Und obwohl das Gebet in solchen Momenten schwer fällt, kann ich ihm diesen Wunsch nicht abschlagen.
In seiner Situation ist der Glaube keine Frage. Tobias betet nicht oft für sich selbst, sondern fast immer für andere. Für viele, die sich kaum bei ihm melden. Aber das stört ihn nicht. Er denkt an sie und wünscht ihnen Gutes.
📸 Erinnerungen, die tragen
Ich sitze hier – mit meinem Gefühl des Verlustes.
Mein Sohn, der einst Wissenschaftler in der Biotechnologie werden wollte. Seine Leidenschaft begann, als er fünf war. Natur, Vögel, Insekten – das war sein Element.
Ich sehe ihn noch mit acht Jahren: Kamera um den Hals, auf dem Fahrrad zum Kanal, um Vögel zu fotografieren.
Mit 17 gewann er einen Preis für das beste Foto eines Baumes im Winter – veröffentlicht in einem Magazin. Die Kamera war immer dabei.
Heute vertraue ich darauf, dass ein Schutzengel bei ihm ist, wenn ich oder Tyler es nicht sein können. Unser Vater im Himmel lässt uns nicht allein – auch dann nicht, wenn wir es nicht spüren.
„Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“
— Psalm 91:11
🌅 Morgen wird alles anders
Heute kann ich diesen Trost nicht fühlen. Aber ich weiß, er ist da.
Morgen wird alles anders. Morgen werde ich den Kopf wieder heben. Morgen wird mein Glaube wieder stärker sein.
„… Christus hat gesagt: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich werde euch Ruhe geben.“
— Buch Mormon, 3 Nephi 12:3 (vgl. Matthäus 11:28)
Gute Nacht 🌿 Eure Katja, Tyler und Tobias
Unser Weg mit Neuroplastizität
Unser Weg mit Neuroplastizität – und wie wir UNSER Gehirn fit halten können
Viele von euch begleiten uns seit August 2021, als Tobias’ Leben durch eine massive Hirnblutung völlig auf den Kopf gestellt wurde. Damals war „Neuroplastizität“ für uns nur ein Fremdwort – heute ist sie unser Anker. Forschungen zeigen, dass die Sprache vor allem in der linken Hirnhälfte angesiedelt ist, während die rechte Hemisphäre für die Raumwahrnehmung zuständig ist. Dieses Wissen hat uns geholfen, Tobias’ Rehabilitation gezielt zu unterstützen.
Tobias’ rechte Hemisphäre im Fokus
Der Schaden in Tobias’ rechter Stirnlappe führte zu linksseitigem Neglect und Wahrnehmungsproblemen. Musiktherapie spielte eine Schlüsselrolle: In Fallstudien verbe
sserte sich ein Patient nach 18 Monaten musikalischer Neglect‑Therapie so, dass er in Tests nur noch 4 von 40 Linien übersah. Die Idee dahinter: Musik aktiviert Aufmerksamkeitsnetzwerke und zieht den Fokus auf die vernachlässigte Seite. Auch Tobias reagierte positiv auf rhythmische Signale – sie halfen ihm, seine linke Seite wieder besser wahrzunehmen.
Sprachtraining für die linke Hemisphäre
Aphasie ist bei linksseitigen Läsionen häufig. Studien zeigen, dass gezielte Sprachübungen, etwa mit Apps wie VoiceAdapt, die Wortfindung und die Lebensqualität verbessern. In einer anderen Studie erzielte die Kombination aus transkranieller Gleichstromstimulation und klassischer Sprachtherapie die größten Erfolge. Auch diese Erkenntnisse haben wir in Tobias’ Therapie integriert: tägliche Sprachübungen, Satzwiederholungen und das Benennen von Bildern sind fester Bestandteil unseres Alltags.
Gemeinsam trainieren – für ein scharfes Gehirn
Unser Weg hat uns gelehrt: Das Gehirn bleibt formbar, wenn wir es fordern. Egal ob nach einer Verletzung oder präventiv – regelmäßiges Training hält den Kopf fit. Kurze Einheiten (z. B. 20 Minuten täglich) mit Kombination aus Sprache, Musik, visuellen Aufgaben und Bewegung fördern die Vernetzung.
Daher meine Einladung an euch:
-
Nutzt Musik, Sprache und Bewegung – egal ob ihr gesund seid oder euch von etwas erholt.
-
Bleibt neugierig – lernt neue Wörter, löst Rätsel, probiert ein Instrument aus.
-
Teilt eure Erfahrungen – wir sind nicht allein auf diesem Weg.
Tobias ist der lebende Beweis dafür, dass sich Einsatz lohnt. Lasst uns gemeinsam trainieren und unsere Gehirne scharf halten!
Hashtags:
#TobiasComeback #Neuroplastizität #GehirnTraining #Rehabilitation #Musiktherapie #Aphasie #BrainFitness #StaySharp #Hirnverletzung
Haß – innere Schwere – Anzeichen von…
Lernen, mit dem Herzen zu hören wenn die Kommunikation fehlt
Wenn Menschen zur Black Box werden – und wie wir lernen, mit dem Herzen zu hören
Als ich an der Uni war und Bildungswissenschaft dtudierte, lernte ich das Konzept der „Black Box“ kennen. Hier eine kleine Definition:
„Der Radikale Konstruktivismus ist eine Position der Erkenntnistheorie, die sich deutlich von anderen Konstruktivismen unterscheidet.
Eine der Grundannahmen des radikalen Konstruktivismus ist, dass die persönliche Wahrnehmung nicht das Abbild einer Realität produzieren kann, welche unabhängig vom Individuum besteht, sondern dass Realität für jedes Individuum immer nur eine Konstruktion seiner eigenen Sinnesreize und seiner Gedächtnisleistung bedeutet. Deshalb ist Objektivität im Sinne einer Übereinstimmung von wahrgenommenem (konstruiertem) Bild und Realität unmöglich; jede Wahrnehmung ist vollständig subjektiv. Darin besteht die Radikalität (Kompromisslosigkeit) des radikalen Konstruktivismus.“
(https://de.wikipedia.org/wiki/Radikaler_Konstruktivismus)
In letzter Zeit begegne ich vielen Menschen, die sichtbar und spürbar Ärger, Trauer oder Frustration in sich tragen. Manchmal verstecken sie es hinter einem Lächeln, manchmal bricht es in einem unbedachten Satz hervor. Doch immer ist da etwas in der Luft – eine Spannung, eine Energie, die mehr sagt als jedes Wort.

Ich erinnere mich dabei an Tobias’ erste Jahre nach seiner Hirnblutung.
Er war wie eine Black Box – ein Mensch voller Leben, Gedanken, Erinnerungen, aber ohne Möglichkeit, sie mitzuteilen. Wir wussten, dass er fühlte, dass er verstand, dass er irgendwo in diesem stillen Raum zwischen Bewusstsein und Ausdruck kämpfte. Aber wir hatten keinen Zugang.
Es waren Jahre des Aushaltens, des Hoffens und des Betens.
Heute ist das anders. Tobias kann sprechen – und jedes Wort, das aus seinem Mund kommt, ist wie ein Sonnenstrahl nach langer Nacht.
Er erzählt mir, wie er sich fühlt, wie das Essen schmeckt, wie sehr er seine Familie liebt.
Er ist kein Rätsel mehr – er ist ein offenes Buch, und das ist ein Geschenk.
Ich erfahre jeden Tag, wie viel Liebe in ihm wohnt, wie sensibel und dankbar er ist. Diese Offenheit ist Heilung – für ihn und für uns alle.
Doch nicht jeder Mensch kann so sprechen wie Tobias heute. Viele tragen ihre Black Box noch verschlossen in sich. Und doch – auch wenn wir nicht in ihre Köpfe sehen können, spüren wir die Energie ihrer Gedanken.
Wir fühlen, wenn jemand traurig ist, auch ohne Worte. Wir merken, wenn jemand uns innerlich ablehnt oder liebt.
Das menschliche Miteinander geschieht nicht nur durch Sprache – es geschieht durch Geist und Seele.
Das Verständnis der Welt – und des Menschen – hängt immer davon ab, wie wir beobachten und interpretieren.
Es gibt die Realität, das Messbare: „Dieser Schuh hat Größe 41.“
Und es gibt die Wirklichkeit, das Erlebte: „Dieser Schuh ist unbequem“ oder „Ich fühle mich sicher darin.“
Wir leben also nicht in der Realität allein – sondern in unserer gedeuteten Wirklichkeit. Und die entsteht im Herzen.
Genau hier setzt der Gedanke der persönlichen Black Box an.
In der Luftfahrt speichert sie alle Daten der letzten Minuten vor einem Unglück.
Übertragen auf das Leben heißt das: Wir alle haben eine innere Black Box, in der unsere Gedanken, Erwartungen, Ängste und Entscheidungen aufgezeichnet sind.
Wenn etwas schiefgeht, können wir hineinsc
https://photos.google.com/photo/AF1QipPb0B0VP4TYSxEN3a8cGMyNkpbX3QNYxec7xrKd

hauen und verstehen: Was hat mich angetrieben? Wo habe ich falsch abgebogen? Was wollte ich eigentlich erreichen?
Ich habe begonnen, das auch praktisch zu leben.
Vor schwierigen Gesprächen oder Begegnungen schreibe ich auf, was ich erwarte – in einer Farbe.
Nach dem Gespräch notiere ich, was wirklich passiert ist – in einer anderen.
Dann vergleiche ich beides, markiere Unterschiede und schreibe am Ende, was ich daraus gelernt habe.
Ein kleiner 4-Farben-Prozess, der Großes bewirken kann: Bewusstsein. Wahrheit. Veränderung.
Diese Methode verbindet Feedback (Rückblick) mit Feedforward (Vorausschau).
Sie hilft mir, meine Reaktionen nicht zu verurteilen, sondern zu verstehen – und meinen Weg bewusst fortzusetzen.
Sie erinnert mich daran, dass Gott uns nicht durch Perfektion führt, sondern durch Einsicht und Liebe.
Jede Erkenntnis – ob schmerzhaft oder schön – ist Teil unseres geistigen Wachstums.
Vielleicht ist das auch die Antwort auf die angespannte Stimmung, die ich in so vielen Begegnungen spüre:
Wir müssen nicht alles verstehen, was im Anderen vorgeht.
Aber wir können mit offenem Herzen lauschen, fühlen, beten – und still fragen:
„Herr, lehre mich, in dieser Situation Dein Werkzeug des Friedens zu sein.“
Denn am Ende geht es nicht darum, jede Black Box zu öffnen –
sondern darum, mit Liebe und Geduld zu warten, bis sie sich selbst öffnet.
Danke das Du uns auf der Reise der Heilung begleitest 🙂
Was ist denn ein AVM?
Was ist eine 'Arteriovenöse Malformation (AVM)? (Prof.Dr. Alper KARAOGLAN)
Was ist denn ein AVM?
Arteriovenöse Malformation (AVM) effektiv behandeln mit Radiochirurgie
Ich gehöre zu den 1% - AVM Überlebender
Tobias’ Weg – von der Hirnblutung zurück ins Leben
Es begann mit Wochen voller Kopfschmerzen, die Tobias zunächst mit Schmerzmitteln zu lindern versuchte. Die Schmerzen waren unklar, nicht eindeutig einzuordnen.
In dieser Zeit waren mein Mann und ich mitten in einem großen Umzug, von einer Stadt in die Nachbarstadt. Tobias war aus den USA angereist und verbrachte viel Zeit online, mit seinen Freunden – oft bis spät in die Nacht am Computer. Tagsüber half er mit seinen Geschwister jedoch tatkräftig mit: Tapeten abreißen, Wände für den Maler vorbereiten. Zwischendurch spielten wir im Pool und erfreuten uns an Eloise die damals gerade einmal ein paar Monate alt war. Es war ein schöner Sommer voller Aktivität, Veraenderungen und Familienzeit.
Zwei Wochen später reisten wir in Etappen in die USA, um die Jungs an ihre Universitäten zu bringen, noch einmal Oma zu sehen, und einen Familienurlaub gemeinsam zu verbringen. Auch unsere Tochter flog mit ihrer Familie mit. Alles war auf einen schönen Familienurlaub ausgelegt.
Ein Neubeginn voller Pläne
Im Rückblick, verbrachen wir in den USA eine sehr wertvolle Zeit miteinander. Wir besuchten Familie, halfen Tobias’ in sein neues Apartment ein einzuziehen, was allerdings nur aus dem hineintragen der Kisten bestand. Es lag direkt gegenüber einer Schwimmanlage. Tobias freute sich sehr über sein Einzelzimmer in dem Apartment mit Freunden. Dieses Semester sollte besonders werden – er hatte große Pläne, arbeitete im Labor und musste sich an neuen Schulen bewerben um seine PHD Laufbahn einzuschlagen.
Die Kisten blieben allerdings noch unausgepackt. Eine Woche später, in der Nacht, bevor Tobias damit beginnen wollte, brach er plötzlich während des Abendessens zusammen. Er hatte riesige Kopfschmerzen, übergab sich und war orientierungslos binnen Minuten.
Der Tag, der alles veränderte
Ein nicht erkanntes arteriovenöses Malformationsgefäß (AVM) in seinem Gehirn war geplatzt. Zu dieser Zeit waren viele Krankenhäuser durch die Covid-19-Pandemie überfüllt; freie Intensivbetten waren knapp. Tobias musste zu lange liegen, der Druck in seinem Kopf stieg stetig an, seine Überlebenschancen wurden geringer und geringer.
Schließlich entschieden die Ärzte, dass Tobias noch eine Chance bekommen sollte. Er wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus mit einem freien Bett geflogen, wo ein starkes Team von Neurochirurgen bereitstand.
Sie kämpften um sein Leben – und nach 72 Stunden war klar: Tobias würde überleben. Doch wie sein weiterer Weg aussehen würde, konnte niemand sagen. „Gebt alles“, rieten uns die Ärzte.
Kleine Fortschritte, große Hoffnung
In der Frührehabilitation versuchte ein engagiertes Team drei Monate lang, Tobias aus dem minimalen Bewusstseinszustand herauszuführen. Im vierten Monat gelang es schließlich.
Wir organisierten einen Medical Flight zurück nach Deutschland. Dort begann die nächste Etappe unserer Reise – eine Reise voller Geduld, Rückschläge, kleiner Siege und großer Hoffnung. Weitere 8 Monate Krankenhaus inklusive einer weiteren Frührehabilitation.
Was wir gelernt haben
Diese Zeit hat uns gelehrt, wie zerbrechlich und zugleich wie stark das Leben sein kann. Tobias kämpft bis heute – Schritt für Schritt. Und wir als Familie lernen mit ihm, dass das Leben, so schwer es manchmal auch scheint, ein Geschenk bleibt.
Zwei Schriftstellen, die uns tragen
Bibel:
„Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen.“
(Psalm 145,18)
Buch Mormon:
„Darum seid getrost und fürchtet euch nicht, denn ich, der Herr, bin mit euch und werde euch zur Seite stehen; und ihr sollt mein Zeugnis bis ans Ende der Erde tragen.“
(Lehre und Bündnisse 68:6)
✨ Dieser Weg ist noch lange nicht zu Ende. Doch er ist getragen von Glauben, Hoffnung und der Gewissheit, dass Gott uns sieht – in jeder Stunde, in jedem Schmerz und in jedem kleinen Fortschritt. Ich übe mich darin, negative Gedanken nicht zuzulassen. Denn – wie schon viele Philosophen sagten – alles beginnt im Kopf. Gleichzeitig merke ich, wie leicht es uns Menschen fällt, das Negative auszusprechen, und wie viel mehr Disziplin es braucht, das Positive bewusst zu wählen.






🌿 Wenn der Glaube leise wird