Wenn das Hirn ueberwaeltigt ist….
🍽️ Ein Essen, das uns alles zeigte – Alltag mit Tobias

🍽️ Ein Essen, das uns alles zeigte – Alltag mit Tobias
Heute waren wir essen mit Tobias. Zuvor hatten wir lange gemeinsam im Bett entspannt.
Tyler half Tobias bei seiner Morgenroutine, während ich das Frühstück vorbereitete. Danach haben wir alle noch ein wenig gearbeitet und geruht. Tobias bewegte sich auf dem Heimtrainer, während ich aufräumte.
Am späten Nachmittag wollten wir eigentlich ein Schloss in der Nähe besichtigen – aber der Tag verging schneller als gedacht. Also entschieden wir uns für einen Spaziergang und ein gemeinsames Abendessen.
Ein barrierefreies Restaurant zu finden, ist gar nicht so einfach. Aber wir hatten Glück. Alles war liebevoll eingedeckt, die Musik leise, gemütlich, entspannend – genau mein Geschmack: Soft Jazz mit einem Hauch von Winterstimmung. Es war fast magisch.
Wir bestellten unsere Getränke und unterhielten uns.
Doch von der Bestellung bis zum Servieren vergingen fast 40 Minuten – eine lange Zeit.
Ich bemerkte schnell, dass sich Tobias‘ Stimmung veränderte.
Bei mir gingen alle Warnlichter an – Herzschlag hoch, Unruhe, Gedankenkarussell.
Tobias zeigte auf seine Hüfte, konnte den Schmerz aber nicht genau beschreiben.
Sein zentrales Nervensystem war im Fight-or-Flight-Modus – Alarm. Ich gab ihm ein Notfallmedikament und hoffte, dass es schnell wirkt. Aber es dauerte.
Ich aß meinen fast 40 € teuren Fisch – etwas, das wir uns nur etwa alle fünf Jahre gönnen – hastig, voller Anspannung. (Mein Verdauungssystem ist heute noch beleidigt.) Tyler aß seine leckere Kartoffelsuppe – die war ein bisschen günstiger – und half Tobias dann mit seinem Gericht.
Trotz Schmerzen wollte Tobias unbedingt weiter essen.
Fleisch ist ihm – wie viele wissen – sehr wichtig. Und er schaffte es tatsächlich, seinen Teller leer zu essen. Tyler zahlte, und wir gingen zügig.
Kaum hatten wir das gemütliche Restaurant verlassen, ging es Tobias schlagartig besser.
Jetzt liegt er im Bett. Geduscht, mit geputzten Zähnen, entspannt.
Er schaut seine Lieblingsserie: Brooklyn 99.
Frieden.
💭 Beobachtungen & Gedanken
So schnell kann sich alles ändern.
Ein schöner Moment kippt, eine Alltagssituation wird plötzlich herausfordernd.
Ich denke an das Wort Akzeptanz. Und an das Momentum.
Wäre es nicht einfacher, einfach jetzt zu leben – ohne Angst, dass es morgen anders sein könnte?
Ich beobachtete Tyler in der Situation.
Während ich nervös wurde, aß er ruhig seine Suppe. Ich dachte nur: Wie kann er so entspannt sein? Hat er keine Angst, dass Tobias einen Anfall bekommt?
Aber nein – er war einfach da. Ruhig. Hoffte, dass Tobias nicht zu sehr leidet – und blieb im Moment.
Ich hingegen war schon drei Schritte weiter. In meinem Kopf liefen alle möglichen Szenarien ab. Ich war nicht mehr im Restaurant – ich war in der Zukunft, in einer Realität, die gar nicht eingetreten war.
Ich handelte aus Angst.
Tyler blieb in der Gegenwart.
Tobias – obwohl es ihm offensichtlich schlecht ging – blieb ebenfalls im Jetzt.
Er wollte einfach nur sein Fleisch essen. Trotz Schmerzen. Trotz allem.
Nur ich war in einer Zukunft, die nur aus meiner Sorge gebaut war.
🕊️ Am Ende bleibt Vertrauen
Vielleicht ist das unsere Aufgabe:
Immer wieder zurück ins Jetzt finden.
Hinschauen. Atmen. Aushalten.
Vertrauen.
Denn, wie es in der Bibel heißt:
„Darum sorgt euch nicht um morgen, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.“
– Matthäus 6,34
Und ich merke: Ich weiß oft nicht, wie ich in solch einer Atmosphäre richtig kommunizieren soll. Worte prallen ab, Missverständnisse entstehen, und plötzlich steht da eine unsichtbare Mauer zwischen Herz und Herz.
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