Die Welt dreht sich auch in 2026
Die Welt dreht sich weiter in 2026 und so auch unser Tobias
Es war etwas ruhig auf dieser Seite, die an sich eine aktive Seite sein sollte – zum Wohle unserer Peers, der Betroffenen und derjenigen, die mehr über das Schicksal anderer und deren Kampfgeist lernen möchten.
In der zweiten Hälfte des Jahres 2025 hat Tobias Fortschritte gemacht, die uns Freude bereitet haben, die aber auch dazu beitrugen, dass die ein oder andere Beeinträchtigung stärker hervortrat.
Man kann sich das so vorstellen: Die HWS schmerzt, der Rücken erschwert einem das Leben. Dann legt die Physio mit ihrer Arbeit los, wir lernen, die Bauchmuskulatur zu stärken – und plötzlich wird es besser und besser. Nun wundern wir uns, weshalb der Tennisarm wieder stärker zum Vorschein kommt. Ich nehme den Schmerz wieder wahr. Was ist hier passiert? Eine Wahrnehmungserscheinung.
Der Schmerz in der HWS war einfach stärker als der im Arm. Das Gehirn brauchte dort mehr Aufmerksamkeit. Jetzt, wo wir auf den Körper hörten und reagierten, lässt er dich wissen, dass du das Problem mit der HWS im Griff hast – allerdings den Tennisarm nicht ignorieren solltest. Der Schmerz ist ein Signal, das unseren Körper schützt.
Bei Tobias – oder neurologisch betroffenen Patienten – ist das wohl ähnlich. Nehme ich die Spannung mehr und mehr aus meinem Körper, wird das Gehirn entspannter und zeigt mir die nächste Baustelle im Körper.
Das Kurzzeitgedächtnis ist noch immer eine große Hürde. Die Automatisierung, die Tobias entwickelt hat – also die Wiederholung von Phrasen (die schießen halt leichter aus dem Mund oder in eine SMS) – ist noch stark vertreten. Frage ich Tobias: „Was haben wir heute Morgen gemacht?“, antwortet er gleich mit: „Weiß ich nicht.“ Das ist oftmals richtig, doch frage ich nochmal, etwas verändert nach – dann erinnert sich Tobias doch wieder an Einzelheiten.
Du siehst also: Es ist einfacher zu sagen „Keine Ahnung“, als es zu erklären. Natürlich hängt dieses Problem mit dem Schaden im Frontallappen zusammen. Das Gehirn kann allerdings mit Strategien arbeiten – und wir müssen Tobias helfen, diese zu erkennen, zu verstehen und anzuwenden.
Ich finde diese Phase sehr anstrengend. Sie bringt mich oftmals an meine Grenzen. Kann ich aufgeben? Nein, ich möchte diese Option nicht wählen. Als Mutter entwickelt man wirklich eine Art Superpower. Ich bitte das Universum um tägliche Leitung und Kraft.
Meine Gebete haben sich sehr ve
rändert. Es ist keine Einkaufsliste mehr, sondern nur noch ein „Danke“ und die Bitte um Inspiration und Kraft. Das Öffnen von Türen, das Finden von Menschen, die in Tobias‘ Leben treten möchten und Freundschaft schenken. Inspiration und Kraft für alle Therapeutinnen und Freundinnen, die Tobias seit Jahren unterstützen.
Solch ein Lebensumstand schenkt einem Demut, Empathie für andere – aber auch ein scharfes Gefüh
l für die eigene Umgebung. Eine Sensibilisierung dafür, in wen und worin man seine Energie investieren darf.
Ich war nie ein Mensch, der Exklusivität im Leben anwendete. Nun habe ich gelernt, dass Inklusivität zwar nobel und gesund ist – aber dass Exklusivität von Menschen, Energien und Aktivitäten nicht bedeutet, ein schlechter Mensch zu sein. Es bedeutet Achtsamkeit – damit die eigenen Energien nicht verbraucht, sondern so genutzt werden können, dass das eigene Umfeld energiebringend ist.

Seit der ersten Januarwoche befinden Tobias und ich uns in einem kleinen Städtchen in Nordrhein-Westfalen. Hier wird Tobias intensive logopä
dische Therapien erhalten. Da
s Ganze geht etwa fünf Wochen – sechs bis sieben Therapien täglich, das ist wirklich supergut.
Wir versprechen uns, dass sein Gehirn durch die neuen Impulse wieder neue Tricks lernt, die ihn zur Selbstständigkeit führen. Im Schnee sieht alles sehr lieblich aus. Es lädt zur Erholung ein, obwohl es keine Erholung ist. Ich bin in der Lage, meine Blogs zu schreiben, zu berichten – während Tobias in seiner Therapie ist. Dann fahre ich ihn mit dem Rollstuhl zur nächsten Therapie – und das Schreiben geht weiter.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen Tag, ein nettes Wochenende sowie Heilung in allen Bereichen des Lebens.
Eure Dunn’s (Katja, Tyler und Tobias)