đ§ Kratzen, Schmerzen, Stress â Wenn das Nervensystem aus dem Gleichgewicht gerĂ€t
Wenn das Nervensystem aus dem Gleichgewicht gerÀt ...
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Kratzen, Schmerzen, Stress â Wenn das Nervensystem aus dem Gleichgewicht gerĂ€t
Seit zwei Tagen beobachten wir, wie Tobias sich immer wieder stark am Kopf kratzt. Was fĂŒr AuĂenstehende vielleicht wie eine kleine, beilĂ€ufige Geste aussieht, ist fĂŒr uns alles andere als harmlos. Tobias signalisiert uns damit: Etwas stimmt nicht. Ich spĂŒre Unruhe. Ich spĂŒre Schmerz.
Aber wo genau und warum â das bleibt oft unklar. Und genau das macht es so belastend.
Sein zentrales Nervensystem scheint in einem Dauer-Alarmzustand zu sein â ein Zustand, den man als „Fight or Flight“ kennt. Tobias ist unruhig, reagiert sensibel auf Reize, kann sich nur schwer entspannen. Und gleichzeitig soll er weiterhin funktionieren â soll zu seinen Therapien, soll mitmachen, soll Leistung bringen.
Ich begleite ihn dabei. Ich sehe seine Unruhe, sein inneres Ringen, spĂŒre seine Anspannung â und merke, wie mich das als Mutter emotional erschöpft.
WĂ€hrend Tyler ruhig bleibt, die Situation einschĂ€tzt, liebevoll begleitet â bin ich innerlich in Alarmbereitschaft. Ich denke an das, was kommen könnte. Was passiert, wenn er so zur Therapie muss? Wenn der Zustand sich verschlechtert?

âAber er sieht doch normal aus…â
Das Schwierige: Nach auĂen hin sieht Tobias oft âokayâ aus.
Er spricht, er isst, er sitzt mit uns am Tisch.
Doch sein Nervensystem spricht eine andere Sprache.
Dieses Kratzen ist nicht einfach ein „Jucken“. Es ist ein Ausdruck innerer ReizĂŒberflutung, von nicht greifbarem Schmerz, vielleicht auch ein Versuch, sich irgendwie zu regulieren â durch Bewegung, durch Druck, durch etwas SpĂŒrbares. FĂŒr Tobias ist das real. Und fĂŒr uns, als Menschen an seiner Seite, auch.
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đ§ââïž Regulation beginnt im Kleinen
Ich habe in den letzten Tagen begonnen, kleine vegetative Ăbungen mit ihm zu machen â achtsame BerĂŒhrungen, Atemhilfen, beruhigende Reize. Manchmal helfen sie, manchmal nicht sofort. Es braucht Geduld, viel FeingefĂŒhl â und die FĂ€higkeit, den Moment zu akzeptieren, wie er ist.
Nicht zu wissen, wie lange es anhĂ€lt, nicht genau greifen zu können, was los ist â das ist eine Herausforderung.
Und gleichzeitig ist es das, was neurologische Verletzungen mit sich bringen: Unvorhersehbarkeit. Nichtwissen. Loslassen.
đż Zwischen Ăberforderung und Vertrauen
Ich frage mich oft: Warum reagiere ich so stark? Warum geht es Tyler leichter von der Hand?
Vielleicht, weil ich mehr in der Verantwortung stehe, ihn zu organisieren, Termine zu koordinieren, âfunktionierende Tageâ zu ermöglichen. Vielleicht, weil ich mich innerlich verantwortlich fĂŒhle, ihn durch diese Zeit zu bringen. Und manchmal auch, weil ich einfach mĂŒde bin.
Aber dann sehe ich Tobias, wie er â trotz Unwohlsein â zur Therapie geht, sein Fleisch isst, sich in den Moment zurĂŒckholt, seine Serie schaut. Er lebt im Jetzt, auch wenn sein Körper manchmal aus dem Takt ist.
đ Was mir hilft ( oder nicht immer đ  )
In solchen Momenten hilft mir nicht die perfekte Lösung â sondern ein Gedanke, ein Gebet, ein Satz, der mich erdet. In den letzten Tagen begleitet mich dieser Vers:
âGott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.â
â 2. Timotheus 1,7
Ich atme tief. Ich bin da. Ich begleite. Ich muss nicht die volle Verantwortung tragen. Das Universum steht mit seiner unsichtbaren Hilfe an unserer Seite.Â
Und Tobias â ist da, wie er ist. Mit all seinen Herausforderungen und BedĂŒrfnissen FĂR Andere – und dann sich selbst.Â
Nichts ist unbedingt planbar. Nichts ist immer klar und verstÀndlich. Aber echt. Und mutig. Und Tobias ist mein Sohn.
đ Mehr ĂŒber unseren Alltag, unsere Erfahrungen mit FrontalllappenschĂ€digung, vegetativer Regulation und Leben mit Hirnverletzung findest du auf:
đ www.neuroverbunden.com